Luna

Geb.: 1996 in Irland
Rasse: Irish Tinker

Vergangenheit in Irland:
Nach recherchen und eingehenden Untersuchungen wurde sie vermutlich als typisches Touristenpferd ausgenutzt. Von April bis Oktober Wagen ziehen mit Touris und von Oktober bis April in einem Verschlag zwischen Schrott und Chemicalien dahinvegetieren (wurden durch Bluttests nachgewiesen). Luna wurde nach Ansicht des damaligen Tierarztes sehr wahrscheinlich mit Kette gefahren (in Irland ist es grade bei "unseriösen Pferdemenschen" nicht selten üblich, den Pferden alte verrostete Fahrradketten ins Maul zu schnallen um sie schneller gefügig zu machen). Sie brauchte über ein Jahr, bis sie das Gebiss annehmen und akzeptieren konnte. Eingeritten habe ich sie mit Sidepull.

Wie sie zu mir kam:
Ich machte mich im Dezember 2000 auf die Suche nach "dem eigenen Pferd" für mich. Wie durch Zufall habe ich von den "Tinkern" erfahren. Einen kurzen Bericht gelesen, recherchiert und was ich da über diese Pferde gelesen habe erschien mir völlig unmöglich. Ein so untypisches Pferd kann es doch gar nicht geben. Von der Optik völlig gefesselt ging ich auf die Suche, mir diese Pferde einmal live ansehen zu können. Was ich damals noch nicht wusste - Tinker gibt es viele.... unterschiedlichste Größen, Farben, Formen... Das es allerdings meine Rasse ist (was damals ja noch gar nicht anerkannt als Rasse geführt wurde) wusste ich sofort. Also ging die Suche los. Über drei Monate lang hieß es Händler anrufen und durch die Gegend fahren um mein Pferd zu finden. Im März 2001 hab ich sie dann gefunden - meine Luna. Frisch aus Irland importiert, viel zu dünn, völlig ohne Kondition stand sie da in einem eher untypischen Händlerstall. Ihre Augen haben mich fasziniert und so wurde sie sofort probegeritten. Angeblich war sie ja geritten! Weit gefehlt. Luna ist mit mir im Schweinetrab durch die Halle gefegt, weit aufgeblähte Nüstern und mit allem sichtlich überfordert hat sie es doch unglaublich freundlich über sich ergehen lassen. Es stand fest - egal wie be... sie lief, die will ich haben. Vom ersten Moment an habe ich keine Sekunde an ihr gezweifelt. Nach einer ausführlichen Ankaufsuntersuchung stand fest, sie hatte in Irland definitiv kein schönes Leben. Ihr Körper war voller Gifte (Schwermetalle, Formaldehyd, Pilzsporen, ..) und sie wurde vermutlich mit Kette oder ähnlich ungeeignetem gefahren. Die ersten Wochen mit ihr erwiesen sich als sehr schwierig. Wer sie heute kennt, kann das kaum glauben, aber Luna war alles andere als leicht und lieb und rücksichtsvoll. Viel Bodenarbeit und ganz viel Geduld und Ruhe haben ihr geholfen, sich auf mich und ihr neues Leben einzulassen. Nach vielen Jahren Wald und Wiese reiten, lief Luna leider nach wie vor und vielleicht auch immer stärker vorhandlastig. Das hat mich dann zur Westernreiterei gebracht. Diese Reitweise schien mir pferdefreundlich, entsprach mir durch die Impulsreiterei und sollte meine Große ausreichend gymnastizieren für ein langes gesundes Leben. Ich kam zu einer tollen Trainerin, die uns die Basics beibrachte. Und ich hatte sehr schnell Feuer gefangen, als ich sah, wie eifrig mein Mädel mitarbeitete.

Immer wieder war ich offen für neue Lernschritte mit Luna und habe eine weitere Trainerin gefunden, die mit ihrem Tinker Lucky Luke die Westernszene aufmischte. Kurzerhand hab ich Claudia angerufen und auch sie um Unterstützung gebeten - und bekommen. Der Weg mit Luna war durch meine Späte Aktivität dahingehend sicher nicht einfach - aber mehr als lohnenswert. Was ich hier gelernt habe durch und mit meiner Stute ist mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.

Luna ist spitze in Geländetrails und Orientierungsritten. Sie lernt unglaublich gerne und bereitwillig. Sobald sie versteht, was man von ihr will tut sie alles um es gut zu machen. Diese Eigenschaft kam uns im Trail immer sehr zugute weil meine Große immer mitgedacht hat und auch des Öfteren meine Fehler einfach korrigiert hat. Mir war und ist es immer wichtig, das mein Pferd das Recht hat, mitzudenken. Auch wenn das viele Westernreiter ihrem Pferd abtrainieren wollen - für mich gehört das für die "Partnerschaft Mensch - Pferd" einfach dazu! Pferde sind uns oft weit voraus mit ihrer Wahrnehmung - wie dumm, wer das unterdrücken will und glaubt in allem überlegen zu sein!

Heute lebt Luna in einem tollen Freizeitstall in Pfreimd in der Herde und hat mit zwei Mädels und einer lieben dazugehörigen Mama eine perfekte "Pflegefamilie" gefunden. Sicher war die Entscheidung schwer, sie in einen anderen Stall, weg von meinem gewohnten Umfeld zu geben. Aber es wäre falscher Egoismus, ein sonst kerngesundes Pferd auf der Koppel versauern zu lassen, dass einem regelmäßig zu verstehen gibt, dass es etwas unternehmen will. Franziska und Michaela sind die besten "Pflegefrauchens" die ich mir für Luna wünschen kann. Die zwei Fliegengewichte gehen mit ihr in den Bach baden, machen Ausritte, Bodenarbeit und das wichtigste - sie verwöhnen meine Große wo es nur geht. Luna wird nach wie vor gebraucht und ich bin glücklich, wenn ich seh wie gut es meiner Dicken geht.


Oft ist es nur der Mensch, der zu dumm ist zuzuhören - wer gut hinhört und versteht, kann dann immer noch eine Entscheidung treffen!

Lunas Leben heute

Luna hat sich ihre Pferdealtersteilzeit so verdient. Sie genießt ihr Leben mit "ihren Kindern"! Danke Franziska und Michaela - Luna hat Euch längst ins Herz geschlossen!